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Grand Admiral Jake Heartnet, Truchsess des Imperiums und somit Herrscher über die Galaxis von Daraays Gnaden, betrachete die fahlblaue Kugel Scariffs, die sich unter dem Rumpf der Fortitude krümmte, und verzog das Gesicht. Das Anwesen hatte ein korrupter Moff für sich errichten lassen, doch des Imperators Rechtschaffenheit hatte verhindert, dass er es nutzen konnte oder jemand aus seiner Familie. In solchen Dingen war Daraay gründlich gewesen. Doch sein Pragmatismus hatte ihn bewogen, das Anwesen zu behalten und für seine Zwecke zu nutzen. Der Vertreter des Imperators kehrte sich von dem Display ab und befahl seine persönliche Fähre bereit zu machen.
Als Heartnet in dem Shuttle saß und die oberen Atmosphäreschichten für die üblichen Turbulenzen sorgten, dachte er über die Gefangene nach. Durana Filor gehörte zum inneren Kreis von Admirälen, auf die Daraay seine Herrschaft auch gestützt hatte. Sie war verschlagen und skrupellos, was ihren Ruf begründete Opfer und Anstrengung zu scheuen und rücksichtslos ihre Ziele durchzusetzen. Doch bisher konnte man sicher sein, dass sie loyal war. Sie war Redhorse' Zögling gewesen und diesem bis ins Mark ergeben. Doch der Imperator war weg und sein Truchsess konnte sich nie komplett sicher sein.
Das wussten auch andere, weshalb Filor diesen Ort mit ihrer Anwesenheit schmückte.
Heartnet war sich bewusst, dass es "die Runde" gab, oder zumindest geben musste. Der Übergang der Macht war zu abrupt und unvorbereitet geschehen, als dass es keine Verschwörer gegen ihn geben würde. Insgeheim verfluchte er Daraay dafür, ihn ohne angemessene Vorbereitung in diese Position gebracht zu haben. Aber man stieg nicht so weit auf, ohne zu wissen, was gespielt wurde, und auch Admiral Filor hatte Schwächen, die man ausnutzen konnte. Zum Beispiel ihren Hochmut und ihr grenzenloses Selbstvertrauen.
Gepaart mit ihren Fähigkeiten konnte man durchaus an ihren Marionettenfäden ziehen. Sie war eine Waffe, mit der man sich selbst verletzen konnte, wenn man nicht aufpasste.
Weiße Wolken türmten sich am Horizont auf, als er die Fähre verließ und sich zu Filors Räumlichkeiten begab. Die Admiralin ließ ihn warten, was er mit Gleichmut hinnahm. Beide erhielten die Illusion aufrecht, dass Filor hier freiwillig war und die Hausherrin, auch wenn sie faktisch eine Gefangene war. Die Flotte hielt seit langem solche Ehrenkonventionen aufrecht und es wurde von allen Offizieren erwartet, dass diese befolgt wurden. Die Wartezeit war natürlich reine Provokation, was beiden bewusst sein sollte, doch Heartnet ließ sich nicht auf solch kleinkarierte Spielereien ein. Filor war nicht dumm, im Gegenteil, also wusste sie, dass ihr Spielraum begrenzt war, derartiges Theater aufzuführen.
Ein Diener führte ihn in das Arbeitszimmer, wo Filor sich von ihrem Sitz kurz erhob und auf einem Sessel vor ihrem Schreibtisch deutete. Heartnet ließ sich in den Sessel fallen und warf seine Mütze auf den Schreibtisch
"Welch freudige Überraschung, Admiral. Was kann ich für Sie tun?“ leitete sie das Gespräch ein, während weitere Bedienstete Getränke und kleine Snacks brachten und sich dann zurückzogen.
Der Anführer des Imperiums maß die Frau hinter dem Schreibtisch mit einem stummen Blick und schwieg einige Augenblicke.
"Ich nehme an, dass Sie erfolgreich waren, Admiral. Sie hatten ja viel Zeit."
Filor lehnte sich leicht zurück und ließ die Mundwinkel kurz zucken. "Ich würde es bevorzugen, wenn meine Freizeit nicht vorgeschrieben würde." merkte sie sarkastisch an. "Allerdings, wenn Sie eine Liste von Feinden Ihrer Person innerhalb der Streitkräfte erwarten, dann war ich wohl nicht erfolgreich."
Heartnet zog die Brauen unwillkürlich in die Höhe. Spielte sie Spielchen oder hatte sie tatsächlich nichts erreicht, fragte er sich. Die Frau war hier und da unfassbar kompetent, doch hatte sie nie gelernt, wann sie nervte. "Filor, überreizen Sie Ihr Blatt nicht; sie halten nicht gerade eine Narrenreihe in der Hand." warnte er.
Filor bewahrte für einige Augenblicke ihr fast unbewegtes Gesicht, bevor die Fröhlichkeit aus ihrer Miene entschwand.
"Admiral, ich führe meine Befehle immer aus. Sie kennen meine Akte; ich erreiche meine Ziele auf meine Weise." führte sie kühl aus.
Bevor Heartnet antworten konnte, betrat einer der Diener mit einem Datenpad den Raum. Stumm reichte er dem Grand Admiral das Pad.
"Oh,Sie werden Ihre Liste bekommen, Jake.", kommentierte Filor das Geschehen. Heartnet rief die erste Datei auf und überflog die Zusammenfassung.
Erschrocken las er von einem Flugwagenunfall, dem Marshal Korrin zum Opfer gefallen war. Korrin war ein wichtiger Gefolgsmann bei der Organisation des Starfighter Corps. Der nächste Bericht war über einen unglücklichen Unfall mit Todesfolge auf einem Schießstand, dem High General Stavos zum Opfer gefallen war. Stavos war der ranghöchste Logistiker im Oberkommando.
Der nächste Bericht: eine unvermutete Allergie mit Erstickungsfolge. Dann ein Shuttleabsturz. Unfall um Unfall reihte das Pad aneinander. Heartnet überflog alle, auch wenn es aberdutzende waren. Die meisten Opfer kannte er, oft sogar persönlich.
Filor schien völlig gelassen zu warten, als er den letzten Bericht öffnete. Fleet Admiral Varro hatte den Zusammenstoß mit einem giftigen Tier nicht überlebt. Eine commenorische Sandviper war auf unbekanntem Wege in seinem Erfrischer gelandet und hatte ihn mehrfach gebissen.
Heartnet schaut auf. Dann prüfte er die Zeitstempel. Alles innerhalb einer Stunde, bis auf einen. Varro war als Letzter gestorben.
Jake Heartnet legte das Pad ab und fixierte Filor mit seinen Blicken. Langsam lehnte er sich zurück und verschränkte die Arme. "Ein paar habe ich Ihnen übrig gelassen. Wenn man sie überwacht, kann man jede Rebellion zertreten, bevor sie auch nur annähernd gefährlich werden kann. Aber Sie können sie auch umbringen. Das ist mir gleich."
Die rothaarige Admiralin richtete sich auf und blickte Jake Heartnet durchdringend an. "Was mir nicht egal ist, ist mein Schiff. Ich will die Destructor wieder haben."
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