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[IZD] Muster im Rauschen
090631 Mijara Adams
Autor: Eriane Thress

Das Arbeitszimmer von Moff Eriane Thress lag im Halbdunkel. Nicht, weil die Systeme ausgefallen waren, sondern weil sie grelles Licht hasste, wenn sie dachte. Vor ihr schwebten vier Hologramme.

Shedu Maad.
Orotha.
Belsavis.
Muunilinst.

Vier Orte, die auf keiner offiziellen Karte eine Linie bildeten. Vier Ereignisse, die in keinem Lagebericht gemeinsam auftauchten. Vier Meldungen, die in unterschiedlichen Abteilungen abgelegt worden waren, sauber sortiert, korrekt klassifiziert und damit beinahe unsichtbar. Thress hob die Hand und ließ die Berichte erneut übereinanderlegen. „Noch einmal“, sagte sie. Der junge Analyst auf der anderen Seite des Tisches zögerte. „Mylady, die Korrelation ist statistisch nicht belastbar.“ „Ich habe nicht nach Statistik gefragt.“ Er schluckte und aktivierte die Projektion.

Die erste Linie erschien bei Shedu Maad. Ein unerklärlicher Hyperraumaustritt. Keine erkennbare Feindeinwirkung. Keine technische Ursache, die den Vorgang vollständig erklärte. Die zweite Linie führte nach Orotha. Störungen, ungewöhnliche Signale, kristalline Veränderungen, eine lokale Zeitabweichung. Dazu ein getarntes Schiff, das Daten kopierte und verschwand. Die dritte Linie flackerte über Belsavis. Rakata-Strukturen. Reaktive Sicherungssysteme. Ein Echo, das nicht nur auf Präsenz, sondern auf Verhalten reagierte. Die vierte Linie blieb unvollständig. Muunilinst. Eine Kommandoeinheit, die gelandet war. Gefälschte Unterlagen. Danach: Schweigen.

„Und der gemeinsame Nenner?“, fragte Thress. Der Analyst atmete langsam aus. „Kein technischer. Kein militärischer. Kein politischer, soweit wir sehen können.“ „Aber?“ Er berührte eine Markierung am Rand der Projektion. Mehrere Datenfelder färbten sich grau. „In allen vier Fällen gibt es Hinweise auf Informationsverlust, verzögerte Übermittlung oder abweichende Wahrnehmungsprotokolle. Nichts davon reicht für eine operative Einstufung. Aber es ist… ungewöhnlich.“ Thress sah auf die grauen Felder.

Grau war eine gefährliche Farbe. Schwarz war Feindkontakt. Rot war Alarm. Blau war Befehl. Grau aber bedeutete, dass jemand nicht wusste, ob er etwas übersehen hatte. Und das war oft der Anfang einer Katastrophe. „Zeigen Sie mir den Cluster.“ Das Hologramm verschob sich. Der Hapes-Cluster trat hervor, schön und tödlich wie ein geschliffener Edelstein. Am Rand pulsierte ein winziger Punkt. Virellion’s Echo. „Das Beobachterprotokoll“, sagte Thress leise. Der Analyst nickte. „F47. Der Eintrag wurde vor Monaten gesichert. Damals galt er als fragmentarisch. Ohne ausreichenden Kontext.“ „Und jetzt?“ „Jetzt taucht ein Begriff aus dem Protokoll erneut auf.“ Thress wandte den Blick nicht von der Projektion ab.

„Lirentha.“

Der Raum wurde für einen Moment still. Nicht, weil der Name Macht besaß. Namen besaßen keine Macht. Menschen gaben ihnen Macht. Archive gaben ihnen Gewicht. Geheimdienste gaben ihnen Schatten. „Wo?“, fragte sie. „Nicht in einem Bericht. In einem Sperrvermerk.“ Der Analyst öffnete ein weiteres Feld. Die Datei war beschädigt, mehrfach überschrieben und nur teilweise rekonstruiert. Kein vollständiger Text. Nur ein Fragment aus einem älteren imperialen Sicherungssystem.

> LIRENTHA / Zugriff verweigert
> Querverweis: Valenthyre-Schema
> Querverweis: Narrative Stabilität
> Querverweis: Kernfokus
> Status: nicht bestätigen, nicht widerlegen


Thress las die Zeilen zweimal. Dann ein drittes Mal. „Wer hat diese Datei angelegt?“ „Unbekannt.“ „Wann?“ „Vor der aktuellen Regierung. Möglicherweise deutlich früher.“ „Wer hat Zugriff?“ Der Analyst zögerte zu lange. Thress sah ihn an. „Niemand, Mylady. Zumindest offiziell.“ Ein schmales Lächeln legte sich auf ihre Lippen. Es war kein freundliches Lächeln. „Dann beginnen wir damit, herauszufinden, wer offiziell niemand ist.“

Sie trat an das Fenster. Unter ihr glitten die Lichter des Verwaltungsdistrikts wie geordnete Sternbilder durch die Nacht. Alles wirkte ruhig. Alles wirkte beherrschbar. Das war die größte Lüge jeder funktionierenden Regierung. „Erstellen Sie eine interne Arbeitsgruppe“, sagte Thress. „Keine öffentliche Ausschreibung. Keine militärische Priorisierung. Keine Anfrage an den Generalstab, solange wir nicht wissen, ob wir ein strategisches Problem, ein historisches Problem oder ein politisches Problem betrachten.“ „Unter welcher Klassifizierung?“ Thress schwieg einen Augenblick. Dann sagte sie:

„KERNFOKUS.“

Der Analyst sah auf. „Mylady?“ „Nicht als Projektname. Als Prüfvermerk. Alles, was in dieses Muster fällt, wird gespiegelt, gegengeprüft und von mindestens zwei voneinander unabhängigen Stellen bewertet. Ich will keine Legende jagen. Ich will wissen, ob jemand Legenden benutzt, um Bewegungen im Imperium zu verschleiern.“ Sie drehte sich wieder zur Projektion um. „Und noch etwas.“ „Ja, Mylady?“ „Der Begriff Lirentha wird ab sofort nicht mehr in offenen Systemen gesucht. Keine Holonet-Abfragen. Keine Archivvolltextsuche. Keine neugierigen Offiziere, die glauben, ein Rätsel lösen zu müssen.“ Der Analyst nickte hastig. „Verstanden.“ Thress betrachtete den grauen Punkt am Rand des Hapes-Clusters.„Wenn dieser Name nur ein Schatten ist, werden wir ihn ausleuchten.“ Sie senkte die Stimme. „Und wenn er kein Schatten ist, dann finden wir heraus, wer ihn wirft.“

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